Schuldnerberatung und Begegnungsstätte

"Die Weiche" - eine Begegnungsstätte für Suchtkranke in Neuburg war zweite Anlaufstelle an jenem Freitag. André Meyer, Leiter der "Weiche" begrüßte und leitete Reichhart durch das Gebäude, in dem bis zu 20 Suchtkranke die Möglichkeit haben sich mit anderen auszutauschen und insbesondere einen geregelten Tagesablauf inklusive einer warmen Mahlzeit zu genießen. Gerade der soziale Aspekt sei nicht zu vernachlässigen, so Meyer. Reichhart (von links) mit André Meyer und seinen Kollegen Tobias Gossler und Cristina Doliana.
Zuvor jedoch war der FREIE WÄHLER in Ingolstadt: Bernhard Gruber von der Caritas Ingolstadt lud MdL Markus Reichhart zu seiner Schuldnerberatung ein
intv 12. Oktober 2012
intv 16. Oktober 2012

Mit Mitarbeitern und Klienten der Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt hat sich der Landtagsabgeordnete und Ingolstädter Stadtrat Markus Reichhart von den Freien Wählern ausgetauscht. Reichhart besuchte die Beratungsstelle im Rahmen der bayernweiten Aktion Rollentausch der Freien Wohlfahrtspflege. „Das Geld, das wir in die Schuldnerberatung investieren, ist sicherlich gut angelegtes Geld“, meinte dabei Reichhart.

Zwei Klientinnen der Caritas-Beratungsstelle erzählten bei dem Treffen persönlich, wie sie in die Schuldenfalle getappt waren und wie die Schuldnerberatung ihnen wieder eine bessere Lebensperspektive eröffnet habe. Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern schilderte eindringlich ihre persönliche Scham und die Versagensgefühle aufgrund der Überschuldungssituation. „Alles in meinem Leben drehte sich nur noch um diese Schulden“, meinte sie. Nun könne sie wieder ruhig schlafen. Eine andere Klientin berichtete, dass bei ihr Suchtprobleme die Ursache für die Überschuldung gewesen seien und sie jetzt mit Hilfe der Schuldnerberatung in etwa eineinhalb Jahren schuldenfrei sein werde. „Ich kann jetzt wieder ohne Herzklopfen an meinen Briefkasten gehen und habe nun wieder eine Perspektive für ein schuldenfreies Leben“, erzählte sie.

Bernhard Gruber, der seit vielen Jahren in der Schuldner- und Insolvenzberatung tätig ist, informierte über mögliche Veränderungen bei der Finanzierung des Arbeitsbereiches. Derzeit ist die Kommune für die Schuldnerberatung und das Land Bayern für die Insolvenzberatung zuständig. Geplant sei eine Übertragung der Finanzierung der Insolvenzberatung auf die Kommune mit entsprechender finanzieller Ausstattung durch das Land Bayern. Gruber befürchtet allerdings, dass dabei Stellen wie die Caritas-Kreisstelle, die bereits seit 1999 in hoher Zahl Insolvenzberatung anbieten, finanziell schlechter gestellt werden als bisher. Gerade gewerbliche Schuldenregulierer würden in diesem Bereich ihre Dienste anbieten. Bei diesen müsse kritisch hinterfragt werden, ob sie eine ganzheitliche und nachhaltige Beratung leisten, meinte Herr Gruber. Er plädierte für Qualitätskriterien, um Standards festzulegen, die nicht unterschritten werden dürfen. „Das Berufsbild des Schuldnerberaters ist nicht wirklich festgelegt, das ist sicherlich ein Nachteil für eine wirkungsvolle Arbeit“, sagte er.

Existenzsicherung immer wichtiger

Immer wichtiger wird nach Erfahrung des Caritasberaters auch die Existenzsicherung. Dazu gehöre vor allem die Sicherung von Mietverhältnissen und Energiezufuhr. Auch das Pfändungsschutzkonto, mit dem das Existenzminimum geschützt wird, bereite sehr viel Arbeit, da die Schuldnerberatung seit geraumer Zeit als bescheinigende Stelle tätig ist. „Das ist sicherlich auch eine Aufwertung für uns, andererseits macht es sehr viel Arbeit“, meinte Gruber. Ein Problem sei auch, dass die Schuldnerberatung nur bei Verbraucherinsolvenzverfahren tätig werden kann. Es wenden sich nach den Worten Grubers aber auch Selbständige an die Beratungsstelle, die eine betriebswirtschaftliche Beratung benötigen. Schulden seien zudem ein wesentliches Vermittlungshemmnis bei Arbeitslosen. Außerdem könnten Arbeitsverhältnisse durch eine nachhaltige Schuldnerberatung erhalten werden.

Eine große soziale Herausforderung bleibe auch die Wohnungsnot in Ingolstadt.  Allein in den letzten drei Monaten hätten sich über hundert Menschen mit gravierenden Wohnungsproblemen bei der Caritas-Kreisstelle gemeldet und um Hilfe nachgesucht, so Gruber. Der Sozialberater meinte dazu: „Auch wenn wir wollen, wir können diesen Menschen derzeit nicht helfen, da der Wohnungsmarkt in Ingolstadt völlig überlaufen ist.“ Caritas-Dienststellenleiter Bernd Leitner brachte gegenüber Reichart auch seine Sorge zum Ausdruck, dass derzeit noch nicht befriedigend geklärt sei, wie Asylbewerber weiterhin betreut werden sollen.

„Ich habe einen sehr guten Eindruck von der Arbeit bei der Caritas gewonnen“, bilanzierte der Politiker seinen Besuch und sicherte seine weitere Unterstützung zu. 

Ziel der Aktion Rollentausch ist es, Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft die Möglichkeit zu geben, Arbeitsfelder in der sozialen Arbeit  in der Praxis kennenzulernen. Durch direkten Kontakt mit Betroffenen sollen Nöte und Hilfen den Verantwortlichen veranschaulicht werden.