Landtagskandidaten diskutieren die Bildungspolitik

Verschiedene Ingolstädter Veranstalter haben am 11. Juni die Landtagskandidaten im Stimmkreis Ingolstadt zu einer Podiumsdiskussion geladen. Unter dem Titel „Welche Bildung brauchen wir?“ diskutierten die sieben Kandidaten über die bayerische Bildungspolitik.

Die Position der FREIEN WÄHLER durfte Landtagsabgeordneter Markus Reichhart präsentieren. Ziel einer gelungenen Bildung eines Landes liegt in der individuellen Förderung, dabei sei die berufliche Bildung nicht ausser acht zu lassen. Schließlich benötige man nicht nur Akademiker sondern schon in wenigen Jahren auch etwa 400.000 Fachkräfte in Handwerk und Mittelstand. Die Wirtschaftskraft werde zu ca. zwei Dritteln durch Fachkräfte aus der beruflichen Bildung erwirtschaftet. Löhne und Handwerkskosten würden künftig steigen, was nicht im Interesse der Gesellschaft liege.
Reichhart kritisierte die Denkweise, dass alle Kinder unabhängig von ihrer Begabung bis zum Abitur gebracht werden sollen: „Was ist gut daran, wenn nur 70 Prozent der Schüler am Ende den Abschluss machen, den sie ursprünglich angestrebt haben?“ Es sei wichtiger, Schülerinnen und Schüler individuell nach ihren Fähigkeiten zu beschulen. Einige Kinder wären gute Realschüler, würden aber oft als mittelmäßige Gymnasiasten bis zum Abitur geschleift. Teilweise auch unter massivem Einsatz von Nachhilfe.  Die politische wie gesellschaftliche Anerkennung der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung sei erreichbar, sagte Reichhart. Die Wertschätzung der unterschiedlichsten Berufe und der Menschen diese Ausüben ist der erste Schritt dazu. "Jeder der an seinem Platz den er in Beruf und Gesellschaft gefunden hat ein wichtiger Teil unserer Gemeinschaft. Soziale Abgrenzung, die oft genug über den Schulabschluss definiert wird, stellt ein antiquiertes Gesellschaftverständnis dar.

Die langjährige alleinige Regierungspartei sei nicht Erfinder des dualen Bildungssystems, merkte Reichhart an. Dieses biete viele Vorteile, die andere Staaten schlechter dastehen lasse, gerade in der Wirtschaftskrise und der dortigen großen Jugendarbeitsosigkeit.

Der Weg sei also das Ziel: „Keine Gesellschaft will Menschen, die durch Misserfolge gelernt haben. Denn am Ende profitieren wir von Menschen mit positiver Persönlichkeit und Charakter und nicht nur vom reinen Wissen“, stellte Reichhart klar. Deshalb bedarf es aus seiner Sicht frühzeitige und individuelle Förderung und die Vermittlung sozialer Kompetenzen.

Grundsätzlich bemängelt der Landtagsabgeordnete zudem den Bildungsetat des Freistaats. Als Mitglieds des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen sind ihm die Zahlen besonders bewusst. Er habe einen Antrag zum aktuellen Doppelhaushalt eingebracht, in dem es sich um die Genehmigung von gerade einmal 100.000 Euro mehr für die Weiterbildung an beruflichen Schulen. gehandelt habe. Dieser sei von CSU und FDP abgelehnt worden. Insgesamt stünden gar nur 318.000 Euro für Weiterbildung an Berufsschulen zur Verfügung, umgerechnet 50 Euro pro Lehrer und Jahr. Damit könne nichts bewirkt werden und auch hier wird die Wertschätzung  der beruflichen Bildung durch die Regierung demonstriert.
Ähnlich sei es mit der vermeintlichen Erhöhung des allgemeinen Bildungsetats: Inflationsbereinigt und bei Herausrechnung der Beamtenbeihilfe käme man nur auf ein Plus von 6,33 Euro pro Schüler pro Monat. Bei den extremen Reform-Belastungen durch R6, G8 und Mittelschule sei das viel zu wenig, ärgert sich Reichhart über den Platz 12 von 16 für Bayern im Bildungs-Ranking der Bundesländer.

Auf die Frage nach dem Volksbegehren der FREIEN WÄHLER zur Wahlfreiheit G8/G9 verdeutlichte Reichhart, dass es dabei darum geht den Gymnasien die Möglichkeit zu geben in Abstimmung mit dem Kollegium und der Schulfamilie zu entscheiden mit welcher Geschwindigkeit das Abitur gemacht werden soll. Der Stundenplan sollte sich dabei an dem jetzigen G8 orientieren und damit in der G9 Variante ein Lernen ermöglichen bei dem die Schüler noch Zeit haben auch Ihre Sozialkompetenzen in Vereinen und Sozialeinrichtungen zu erwerben.

Markus Reichhart forderte zum Abschluss der Diskussion Herz, Charakter und Verstand als Leitfaden der Bildung und betonte nochmals die bessere Förderung der beruflichen Bildung sowie deren gleichwertige Anerkennung mit der akademischen Bildung.