Veranstaltung zum Lebensmittelhandwerk in Königsdorf am 19. Juni 2012

Um „Herausforderungen im Lebensmittelhandwerk“ ging es bei der gleichnamigen Veranstaltung der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion am 19.06.2012 in Königsdorf. Moderiert wurde der Abend von Markus Reichhart, MdL und handwerkspolitischer Sprecher der Fraktion.

Im ersten Teil diskutierten die Podiumsteilnehmer die Probleme von handwerklichen Bäcker- und Metzgerbetrieben mit immer neuen Hygienevorschriften und steigenden Dokumentationspflichten. Bäckermeister Konrad Stelmaszek aus Königsdorf betonte, dass Großbetriebe für die anfallenden Maßnahmen extra Personal hätten, kleinere Betriebe seien hier schnell überfordert. Metzgermeister Norbert Schmid aus Penzberg betonte, dass häufig nur die geleisteten Unterschriften kontrolliert werden und nicht, ob tatsächlich sauber gearbeitet werde. Landrat Niedermaier betonte, dass Großbetriebe die formalen Anforderungen häufig sehr gut erfüllen würden – egal, wie die hygienischen Zustände tatsächlich sind. Man brauche sich hierzu nur die jüngsten Lebensmittelskandale betrachten. Auf dem Podium war man sich einig: Der beste Garant für hygienisch einwandfrei produzierte Lebensmittel sind mittelständische Betriebe mit gut ausgebildeten Fachkräften, die vor Ort mit ihrem guten Namen für ihre Produkte stehen. Außerdem sei die Beibehaltung der Meisterpflicht unbedingt notwendig. Alles Punkte, für die sich die FREIEN WÄHLER stark machen, so Markus Reichhart.

Im Zweiten Teil der Diskussion ging es um die großen Nachwuchssorgen bei Bäckereien und Metzgereien. Dirk Orthaus, Berufsberater der Agentur für Arbeit berichtete, dass etwa im Landkreis Bad-Tölz/Wolfratshausen im Büro- und Kfz-Bereich zwei Interessenten auf eine Stelle kommen, wohingegen im Lebensmittelhandwerk ein Interessent auf drei Stellen kommt. Dies konnten Stelmaszek und Schmid, beide auch Innungsobermeister, aus der Praxis bestätigen. Alfred Bauernfeind, Schulleiter der Grund- und Mittelschule Königsdorf führt an, dass in seiner Schule schon sehr früh mit Betriebspraktika und Erkundungen begonnen werde. Auch gibt es in dieser Schulform noch den klassischen Ernährungsunterricht, der auf die Berufe in diesem Bereich hinführt. Allerdings gehen, vor allem bei der Mittelschule, die Schülerzahlen immer weiter zurück. Der Run auf die Gymnasien ist sicher ein Grund für die Nachwuchssorgen im Lebensmittelhandwerk. Josef Bichler, Schulleiter der Berufsschule Bad Tölz macht aber auch noch andere Punkte dafür aus. So liegen die Ausbildungshemmnisse häufig auch in den Betrieben. Das pädagogische Verhalten der Chefs oder die schlechte Bezahlung führen dazu, dass Lehren abgebrochen oder überhaupt nicht erst angefangen werden. Der Rückgang der Lehrlingszahlen sei so dramatisch, dass immer wieder Berufsschulklassen wackeln. Allgemein müsse versucht werden, das Image von Ernährungsberufen bei jungen Menschen deutlich zu verbessern, betonen die Podiumsteilnehmer. Für den Nachwuchs ist wichtig, dass Auszubildende Berufsschulen in ihrer Nähe besuchen können. Hier sei die Politik gefragt, ebenso bei der Aufwertung beruflicher Abschlüsse im Vergleich zum Studium, so Reichhart.

Zum Abschluss betonte Markus Reichhart den Wert des Lebensmittelhandwerks. Jeder müsse dazu beitragen, dass die Herausforderungen in diesem Bereich bewältigt werden. Als Handwerksmeister werde er sich auch weiterhin auf politischer Ebene sehr stark für die Belange des Handwerks einsetzen.